AMAZONIEN
 
Amazonas Urwald, Menschen & Kultur

Warum Tourismus ?

... Schädlich oder eine Chance ?

EIn paar Gedanken zum Thema, die mich nach einem längeren Abwägungsprozess "antreiben", möchte ich an dieser Stelle mitteilen :

Ideal wäre es, wenn der Amazonas Urwald, das Pantanalgebiet und die Ökosysteme in Brasilien aus reinem Umweltinteresse und völlig ohne wirtschaftliche Gründe geschützt würden.

Aber dies ist zurzeit leider nur ein frommer Wunsch. Die Realität sieht anders aus.

Der Urwald wird genutzt und ausgebeutet. Sei es als Lebensgrundlage für die Waldbewohner oder als gewinnbringende und rentable Ressourcenquelle von der Holz- und Agrarwirtschaft. Oder der Wald wird für riesige Wasserkraftwerke überflutet.

Die Urwälder sind seit einigen Jahrzehnten weltweit bedroht. In manchen Regionen sind sie schon gänzlich verschwunden. In Mitteleuropa ist dies schon seit dem ausgehenden Mittelalter der Fall gewesen.

Dramatisch bedroht sind Urwälder, wenn sie auf Bodenschätzen stehen.

Dann ist es oft ganz schnell vorbei mit dem Erhalt des Waldes. Selbst wenn es vorher ein Nationalpark oder ähnliches war.

In unserem derzeitigen Wirtschaftsdenken wird Urwald leider nur allzu oft an seinem wirtschaftlichen Wert bemessen. So ist es auch beim noch größten zusammenhängenden Tropenwald in Amazonien.

Wenn wir eine kleine Chance haben wollen den Amazonasurwald zu erhalten, müssen wir schnell nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten finden und aufzeigen.

Hier gehört meiner Meinung nach Tourismus zu einer realistischen Möglichkeit. Aber sehr gut bedacht und ausgewogen muss er sein. Abgestimmt auf die Erfordernisse und die Bedürfnisse der Natur und Waldbewohner. Auf keinen Fall Massentourismus.

Aus meinen Beobachtungen von der Entwicklung in einigen Regionen Amazoniens über mehr als drei Jahrzehnte hinweg, kann ich überzeugt feststellen, dass die Natur von den im Urwald lebenden Familien als Einnahmequelle erkannt und deshalb als schützenswert gesehen wird. Das ist der einfache Grund warum gerade diese Familien, die vom Tourismus leben auf den Erhalt des Waldes im eigenen Interesse aufpassen.

Dem gegenüber steht natürlich, dass die Anreise nach Amazonien fast ausschließlich mit dem Flugzeug stattfindet, also mit hoher CO² Belastung einher geht. Genial wäre es, wenn es Flugzeuge gäbe, die ohne CO² Emission und ohne andere Schadstoffe fliegen würden. Aber es wird noch einige Zeit dauern, bis die Technik des „Power to Liquid" (PtL) für die Herstellung von umweltschonenden Kerosin-Ersatz in großen Mengen umgesetzt werden kann und wirklich umweltschonend ist.

Aus meiner Sicht sollte man deshalb unbedingt zumindest eine CO² Emissionsabgabe für die Anreise an eine Umweltorganisation entrichten. Mit dem Geld werden Umweltschutzprojekte finanziert. Ein gutes Beispiel ist Atmosfair. https://www.atmosfair.de/de/kompensieren/flug/

Und die Kosten dafür sind in der Relation nicht unbezahlbar. Werden vermutlich sogar zu niedrig angesetzt. Aber es ist besser als nichts.

Wenn ich alle Überlegungen gegenüberstelle, komme ich zu folgendem Schluss:

Tourismus in Amazonien und Brasilien ist unterstützenswert, wenn er gut durchdacht ist und nicht im Massentourismus endet. Wenn er die Menschen vor Ort mit einbezieht.

Die Umweltbelastung der Anreise sollte mit einer CO² Abgabe halbwegs ausgeglichen werden.

Die Familien am Amazonas sollen auf keinen Fall in die Situation kommen, dass sie ihren Wald massiv ausbeuten müssen, um zu überleben.

Und wir können nicht verlangen, dass sie nur von Fisch, Wild, Maniok und ein paar Früchten leben, wie es die Amazonas Indianer schaffen.

Außerdem ist es eine sehr nachhaltige Erfahrung wenn Du das authentische und naturnahe Leben am Amazonas auf Dich wirken lässt. Auch Brasilianer aus den Regionen außerhalb Amazoniens lassen sich zunehmend von den ausländischen Touristen zu einem Besuch des Amazonasurwaldes inspirieren. Das ist sehr gut. Denn so betrachten diese Brasilianer den Urwald mit anderen Augen. Wenn man etwas schätzt, hat man auch mehr Interesse, dass es geschützt wird. So kann über die Zeit auch politischer Druck für den Umweltschutz aus der Bevölkerung Brasiliens wachsen. Dies ist auch schon etwas zu beobachten.

Der Besuch einer authentischen, kleinen und familiären Urwald Lodge kann zwar für manche Leute ein bisschen wie ein Kulturschock sein (je nach Art der Touren), aber es ist sehr lehrreich mal seine eigene Komfortzone zu verlassen. Es lohnt sich. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Jedenfalls bin ich dem Amazonaswald absolut verfallen und will, dass er erhalten bleibt. Besonders für unsere Nachkommen.

In der Radiosendung Quaks des WDR 5 (9.11.2021) wurde der weltweite Klimaschutz mit dem Putzplan einer WG verglichen. Wenigstens etwas Putzen von jedem, damit der Dreck nicht überhandnimmt. Es bleibt zwar noch etwas schmuddelig, aber jeder macht mit.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass der wunderbare Amazonas-Urwald für unsere Kinder und Kindes-Kinder erhalten bleibt.


Tourismus als Schlüssel für Toleranz

Bericht in Reise vor 9 über die Eröffnung der ITB Tourismus Messe durch Robert Habeck (Deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz).

Bericht


 
 
 
 
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